Therapeutische Angebote

Informationen zur Tätigkeit von Ergo- und Physiotherapeuten/innen = Fachlehrer/innen an Sonderschulen für Körperbehinderte

Allgemeine Information:

Was ist eigentlich Ergo- und Physiotherapie?

Ergotherapie hat zum Ziel, nicht vorhandene oder verloren gegangene körperliche, psychische  oder kognitive Funktionen so wiederherzustellen oder zu fördern, dass die Betroffenen die größtmögliche Selbstständigkeit und Unabhängigkeit erreichen können. Ergotherapeuten/innen arbeiten aus diesem Grund nach einem handlungs- und alltagsorientierten Konzept. Sie beziehen handwerkliche und gestalterische Prozesse sowie lebenspraktische Aktivitäten gezielt als therapeutische Maßnahmen ein. Die Patienten/innen sollen im therapeutischen Prozess eigenständig handelnd ihre sozialen und lebenspraktischen Kompetenzen wiedergewinnen und erweitern. Der/die Therapeut/in unterstützt dabei und hilft bei auftretenden Schwierigkeiten individuelle Lösungen zu finden. Sichtweise der Ergotherapie: der ganze Mensch als Teil seines sozialen Umfelds!

Physiotherapie hat zum Ziel eine größtmögliche Bewegungs- und Funktionsfähigkeit des Menschen zu entwickeln, zu erhalten und wiederherzustellen. Die Behandlung zielt auf natürliche, physiologische Reaktionen des Organismus (z.B. Muskelaufbau, Stoffwechselanregung…) zur Wiederherstellung, Erhaltung und Förderung der Gesundheit. Die Physiotherapie soll Lösungsansätze bieten, mit denen Einschränkungen und Beeinträchtigungen der Bewegungs- und Funktionsfähigkeit (z.B. durch Krankheit, Unfall…) sinnvoll und funktionsorientiert behandelt und/oder korrigiert werden können. Physiotherapie ist die äußerliche Anwendung von Heilmitteln und orientiert sich bei der Behandlung sowohl an den natürlichen chemischen und physikalischen Reizen der Umwelt (z.B. Wärme, Kälte, Druck, Strahlung…) als auch an den physiologischen Gegebenheiten der Patienten/innen.

Welche Funktion haben Ergotherapeuten/innen und Physiotherapeuten/innen an unserer Schule?

In Baden-Württemberg sind Ergo- und Physiotherapeuten/innen an Sonderschulen für Körperbehinderte Mitglieder des Lehrerkollegiums. In dieser Funktion führen sie die Bezeichnung

            Fachlehrer/in an Sonderschulen für Körperbehinderte (Fachlehrer/in K)

          Die Aufgaben der Fachlehrer/innen K sind zum Beispiel:

  • Den behinderten Menschen in seinen Fähigkeiten und in seiner Umgebung so zu unterstützen, dass er am Unterricht oder Fördergeschehen teilnehmen kann

(z.B. adäquate Lagerung, Sitzgelegenheiten, Steh- und Gehhilfen, Arbeitsplatzeinrichtung, Hilfsmittel…)

  • Ihm die Voraussetzung zu geben, körperlich möglichst aktiv und beschwerdefrei seine geistigen Fähigkeiten zu entwickeln (Grundbedürfnisse wie schmerz- und angstfreie Lagerung, Sitzen am Tisch/Boden, Außenreizminderung, Arbeitsplatzgestaltung… müssen abgedeckt sein)
  • Ihn zur Selbstständigkeit, d.h. zu seiner größtmöglichen Unabhängigkeit von Hilfen jeglicher Art zu führen (nötige Hilfsmittel bereitstellen, jedoch so wenig wie möglich).
  • Ihn zu unterstützen mit der Umwelt zu kommunizieren (Kommunikationstafeln und –bücher, elektronische Kommunikationshilfen…)
  • Planung und Anpassung von Hilfsmitteln (z.B. Schreib- und Esshilfen, Orthesen/ Schuheinlagen, Rollstühle, Steh- und Gehhilfen…)
  • Anleitung und Beratung der Eltern zum Umgang mit Hilfsmitteln
  • Hausbesuche mit dem jeweiligen Klassenteam. Beratung über Handling, Lagerung, Hilfsmittel … zu Hause.

In der "Chefstunde" verschmelzen Therapie und Unterricht  

Beim Reiten                                                         Einzeltherapie

                                        

Die individuelle Förderplanung wird mit dem jeweiligen Klassenteam erstellt. Den Fachlehrern/innen K stehen unterschiedliche, vielfältige Konzepte und Methoden zur Verfügung. Durch Befunderhebung und Zielsetzung kann der/die Fachlehrer/in K entsprechende Maßnahmen auswählen, die individuell auf das behinderte Kind/den behinderten Jugendlichen abgestimmt sind.

 Die Förderung erfolgt in erster Linie:

  • im Klassen- und Gruppenverband: z.B. Kochen, Sport, Kunst, Schwimmen, Werken, AG´s, Projekte …
  • in Klein- und Kleinstgruppen: z.B. Fördergruppe, Schwimmen, Fitnessraum, Gartengruppe, Klettern, Trampolin, Psychomotorik, Matschraum…

Abhängig von der personellen Besetzung ist therapeutische Einzelförderung möglich, kann aber nicht für jeden Schüler/jede Schülerin gewährleistet werden. Prinzipiell gilt der Grundsatz: Klassenunterricht geht vor Einzelförderung.

Auszüge aus einer Zusammenstellung von Daniela Böhler